HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG; Ressort Sport - 15. Januar 2009
 
Erfolgsprojekt macht Schule
von Björn Franz



Die erste Frage drehte sich natürlich um das Spiel, das in der Fußball-Bundesliga in dieser Saison bislang für das meiste Aufsehen gesorgt hatte. Immerhin hatte der Mann, der dort im Pressekonferenzraum der AWD-Arena auf dem Podium saß, im Hinrunden-Topspiel zwischen Rekordmeister Bayern München und dem Überraschungs-Spitzenreiter 1899 Hoffenheim eine Hauptrolle gespielt: Der Burgdorfer Florian Meyer (40) war Schiedsrichter der hektischen Partie, die die Bayern mit 2:1 gewannen – und deshalb wollte Sina Kühn (16) auch ganz genau wissen, wie der Unparteiische Anfang Dezember denn die 90 Minuten plus Nachspielzeit in der Allianz-Arena erlebt hatte. Die Schülerin von der Ludwig-Windthorst-Schule aus der hannoverschen Südstadt gehörte zu den 31 Jugendlichen, die im Anschluss an das muntere Frage-und-Antwort-Spiel aus den Händen von Meyer ausgezeichnet wurden. Im Rahmen des Projektes „Fußball als soziales Handlungsfeld“ absolvierten sie in 30 Unterrichtsstunden erfolgreich ihre Schiedsrichteranwärter-Prüfung – und könnten so schon bald selber als Unparteiische auf dem Fußballplatz stehen. Sina Kühn kann sich das zumindest gut vorstellen. Die Zehntklässlerin, deren Herz für den Bundesligisten Werder Bremen schlägt, hat sich deshalb mit dem TSV Bemerode sogar schon einen Verein für ihren Start in die Schiedsrichterkarriere ausgesucht.

Für Ansgar Pietschmann, der das Schulprojekt vor eineinhalb Jahren an der IGS Vahrenheide initiiert hatte, war die Veranstaltung deshalb auch eine Bestätigung seiner Arbeit. Denn das vom Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV), dem niedersächsischen Kultusministerium und dem Landessportbund Niedersachsen unterstützte Projekt, in dem den Schülern über den Fußball Handlungskompetenzen aufgezeigt werden sollen, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Was in Vahrenheide begann, wird seit Beginn dieses Unterrichtsjahres bereits an fünf hannoverschen Schulen fortgesetzt. Und dass es sich Meyer nicht nehmen ließ, die angehenden Schiedsrichterkollegen persönlich auszuzeichnen, lag auch an seinem eigenen Werdegang. „Ich bin auch in der Schule erstmals mit den Schiedsrichtern in Berührung gekommen“, erklärte der Burgdorfer. In dem Braunschweiger Gymnasium, in das er vor 26 Jahren ging, entdeckte er den Aushang für einen Schiedsrichteranwärter-Lehrgang – und seitdem lässt ihn seine „große Leidenschaft“ nicht mehr los. So berichtete der Referee von seinen zahlreichen Auslandsreisen, vom ersten seiner insgesamt 158 Bundesligaspiele vor neun Jahren und seiner ganz persönlichen Spielvorbereitung. Und einen Tipp hatte Meyer für die Schüler auch parat: „Die Schiedsrichterei ist mehr, als Elfmeter zu pfeifen oder Gelbe Karten zu zeigen“, sagte er. „Es ist Menschenführung von 22 unterschiedlichen Charakteren über 90 Minuten – das ist das Schwierige und das Faszinierende daran zugleich.“