HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG NR. ... - ..., 5. Dezember 2007

„Toilettenmensch“ passt auf

Hilft eine schöne Gestaltung, Vandalismus in Schultoiletten zu verhindern?
Einige Beispiele sprechen dafür - aber Kunst allein reicht nicht.

von barbel hilbig

Eine Toilette wie aus dem Bilderbuch: An der IGS Vahrenheide zieren Mosaike die Wände). Und die Sanitärräume für die Jungen sind mit schönen Kometenbildern geschmückt (s. unten).

Dass Mädchen gerne in Toilettenräumen klönen, ist bekannt - an der Integrierten Gesamtschule Vahrenheide-Sahlkamp gibt es seit der Sanierung im Sommer nun sogar Sitzbänke, und farbenfrohe Mosaike zieren die Wände. ,,Es ist so gemütlich und warm, dass wir in der Pause gerne hier sitzen", sagt die Achtklässlerin Arta Beka - auch wenn die Aufsicht das meist nicht lange toleriert.

An vielen Schulen warten Eitern, Lehrer und Schüler allerdings seit Langem auf eine Toilettensanierung. Geklagt wird über stinkende Urinale, aber auch über kaputte Türen oder fehlende Seifenspender - Dinge, die oft von Schülern zerstört wurden. Die rot-grüne Ratskoalition will deshalb 200 000 Euro zusätzlich einplanen. Außerdem soll es einen kleinen Etat für Eigenarbeit von Eltem und einen Verschönerungswettbewerb geben. Das Argument von Verwaltung und Ratspolitikern: Wenn Schüler etwas mitgestalten, respektieren sie es mehr. Doch viele Eltern befürchten, dass mit Eigenarbeit Schaden nur notdürftig übertüncht werden. ,,Was nützt eine schöne Toilette, die hygienisch weiter nicht in Ordnung gebracht ist?", fragt Christina Droste-Belgadri vom Stadtelternrat.

An der IGS Vahrenheide-Sahlkamp, deren Hauptgebäude 1965 gebaut wurde, lief das anders: Es gab eine Sanierung plus künstlerischer Gestaltung.
Und auch auf die Strahlkraft der neuen Toiletten allein wollten die Lehrer sich lieber nicht verlassen. Lehrer und Schüler kontrollieren als ,,Toilettenmensch" die Sanitärraume in den großen Pausen, mittags sowie vor und nach dem Unterricht. Zu anderen Zeiten müssen die Schüler sich den Schlüssel aus dem Sekretariat holen. ,,Wir wollen, dass die Toiletten noch lange schön bleiben", sagt Christine Pape, didaktische Leiterin. Und das klappt offenbar gut. ,,Es bleibt alles sauber", sagt die 17-jährige Teuta Musa. Vorher hatten Schüler immer wieder in den Toiletten gekokelt oder mit Filzstift Kritzeleien hinterlassen.


Schöne Toiletten sind aber keine Garantie dafür, dass die Schüler pfleglich mit ihnen umgehen. An der Grundschule Entenfang hatten sich die Kinder dringend eine Sanierung gewünscht. ,,Es hat wirklich den ganzen Gang hinunter gestunken", sagt Monika Feder, stellvertretende Schulleiterin. Für die Putzfrauen sei die Arbeit kaum zumutbar gewesen. Die neue Toiletten sind makellos - doch Kinder verstopfen Waschbecken und Klos mit Papier, und Jungen pinkeln offenbar absichtlich neben die Becken. Die Lehrer ermahnen die Kinder regelmäßig, meist hilft das nicht lange. ,,Es muss immer wieder wiederholt werden", sagt Feder. Auch der Schulelternrat hat bisher keine Lösung parat. An der IGS List dagegen werden Toiletten für einen Tag gesperrt, wenn Schüler Papier oder Seife verstreut haben.